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03.09.2021

Der Komponist Mikis Theodorakis ist gestorben

MUSIKER, POLITIKER UND REBELL

Seit Jahren hatte er sein Athener Refugium mit dem Blick auf die Akropolis kaum noch verlassen: Mikis Theodorakis, der große Poet und Komponist der Griechen, der 1964 mit seiner Musik zu dem Film "Alexis Sorbas" – mit Anthony Quinn in der Titelrolle – weltbekannt wurde. Worüber er später gar nicht so glücklich war, weil er sich damit zum Unterhaltungskomponisten abgestempelt fühlte. Am 2. September ist Theodorakis im hohen Alter von 96 Jahren gestorben.

Des Öfteren schon hatte der am 29. Juli 1925 auf Chios geborene Theodorakis in seinem Leben mit dem Tod zu tun gehabt. Das erste Mal Anfang der 1940er Jahre, als er als Mitglied des griechischen Widerstands gegen die deutschen und italienischen Besatzungstruppen inhaftiert und gefoltert wurde. In dieser Zeit kam Theodorakis in Kontakt mit dem Marxismus, der sein Weltbild prägen sollte. Und er bewahrte sich sein kommunistisches Rebellentum, obwohl er als junger Politaktivist mit den Parteifreunden in doktrinäre Konflikte geraten war, die Wunden hinterließen. Mit der Lambrakis-Jugend hatte Theodorakis 1962 die größte Organisation dieser Art in seiner Heimat mitbegründet. Zwei Jahre danach war der damals 39-Jährige als Abgeordneter ins Parlament gewählt worden. Als 1967 das Militär in Griechenland die Macht übernahm, geriet Theodorakis als Links-Oppositioneller in Folterhaft.

Exil in Paris
"Nur wenn wir gemeinsam gegen die Diktatur kämpfen, können wir sie überwinden," kommentierte Mikis Theodorakis 1972 die bürgerkriegsähnlichen Zustände in seiner Heimat im griechischen Programm des Bayerischen Rundfunks. Da war er schon in seinem Exil in Paris, wohin er durch die Fürsprache von Komponisten-Kollegen wie Dmitrij Schostakowitsch und Leonard Bernstein gelangt war. In der französischen Metropole hatte Theodorakis Jahre zuvor seine Karriere als Musikstudent begonnen.

Weder Elfenbeinturm noch Populismus
Mit seinen Balletten, symphonischen Werken und Streichquartetten galt der Grieche, der bei Olivier Messiaen studiert hatte, als aufstrebender Star der zeitgenössischen Musik der 1950er Jahre. Doch Mikis Theodorakis, der mit der Volksmusik seiner Heimat aufgewachsen und tief verbunden war, wollte weder als elitärer Komponist im Elfenbeinturm verstanden werden, noch bedingungslos dem musikalischen Populismus ausgeliefert sein. Und Theodorakis ging seinen eigenen Weg als zeitgenössischer Liedkomponist mit starkem eigenem Kolorit.

Vorbild für viele Musiker
Über 1.000 Lieder komponierte Theodorakis und vertonte dabei Texte großer griechischer Dichter, etwa der Nobelpreisträger Odysseas Elytis und Giorgos Seferis. Darüber hinaus dutzende Kantaten, Kammermusik- und Orchesterwerke sowie Opern. Bedeutenden Interpreten diente er als musikalisches Vorbild, wie etwa Nana Mouskouri, Giorgos Dalaras oder Maria Farantouri, die mit dem Zyklus "Mauthausen" auch in Deutschland sehr berühmt wurde.

Neben der musikalischen suchte Mikis Theodorakis immer auch die politische Bühne. 1990 bis 1992 war er gar parteiloser Minister in einer Mitte-Rechts-Regierung. Als es in den letzten Jahren zu Straßenprotesten gegen den harten Sparkurs der griechischen Regierung kam, fehlte der alte Rebell Theodorakis nicht. Vor dem Athener Parlament zog sich der damals 87-jährige eine Gasmaske über und sprach von der Revolution als Gebot der Stunde. Bleiben wird ein anderes Vermächtnis: Mikis Theodorakis wird immer zu den Komponisten gehören, deren unverwechselbare Sprache man an wenigen Tönen erkennt.

 

Quelle: Ulrich Möller-Arnsberg; BR Klassik; 02.09.2021